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Baumschutz

 

NP 30.01.2004
Geplante Sanierungsarbeiten sind unverzichtbar 
Mangelnde Pflege hat Allee am meisten geschadet
EYRICHSHOF
- Mancher hat am Ende der Allee von Eyrichshof für die Durchfahrt einiges bezahlt, weil die Kamera hinter den Bäumen zu gut versteckt war. Trotzdem – neben der von Gereuth ist sie die einzige Allee in unserem Bereich und die große Besorgnis um sie ist daher voll zu verstehen.
Die Bäume waren eine Idee von Hans-Georg IV. von Rotenhan (1675 bis 1746). „Vor dem Schlosse pflanzte er an der Straße die noch stehende Kastanien-Allee“, schrieb Julius von Rotenhan 1865 in seiner Familienchronik. Das muss kurz vor 1700 gewesen sein, als auch der im französischen Stil gehaltene Schlosspark entstand.
Hans-Georg war zunächst Hauptmann des Ritterkantons Baunach und später sogar „Director der ganzen fränkischen Reichsritterschaft“. Er war ein Prunk liebender, gästefroher und leider auch verschwenderischer Gutsherr – ein typisch barocker Edelmann. „Er hatte nun zu Eyrichshof seine eigene Amtskanzlei“, berichtet Julius weiter, „für die das Eckhaus vor dem Hof eingerichtet wurde, und unser kleines, stilles Eyrichshof war da ein recht belebter, in geschäftlicher wie geselliger Beziehung viel besuchter Ort“. Wahrscheinlich ließ der die Allee zwischen der Papiermühle und der Specke pflanzen, um seinen vielen Gästen die Anfahrt im Schatten zu ermöglichen. „Hans-Georg-Allee“ müsste sie also eigentlich heißen und nicht „Julius-Allee“, wie man es manchmal in Eyrichshof hört. Später wurde daraus die Bundesstraße 279 und noch später die Kreisstraße 49.
Schon viele Menschen auf ihr gegangen

Wer ist auf ihr nicht alles gefahren oder gegangen! Katholische Fürstbischöfe und glaubensfeste Salzburger Exulanten; französische Revolutionstruppen, amerikanische Jeeps und Bundeswehrsoldaten in schweren Panzern; der liebestrunkene Friedrich Rückert, der darüber sein Gedicht „Nächtlicher Gang“ schrieb und der liebenswürdige Dekan in seinem grünen VW-Käfer; erwartungsfrohe adelige Festbesucher und sangesfreudige Eberner Bürger, die es sich im Wirtshaus „Zur Specke“ wohl sein ließen; Bauern aus den Dörfern, die wegen des Eberner Pflasterzolls schon brummig den Geldbeutel hervorholten und Lastwagenfahrer die den Parkplatz vor der Specke schätzten; Schulkinder aus Fischbach, Kirchgänger aus Höchstädten, Trauergäste aus Siegelfeld, Arbeiterinnen beim Heinerle, Fußballbesucher aus Rentweinsdorf und 1998 auch BR-Radltouristen aus ganz Bayern.
Gehen wir einmal den grünen Kilometer zwischen dem Autohaus Sorg, der alten Papiermühle, und der Specke ab. Die Allee beginnt nach der Kurve um die rote Geußen-Scheune, einem stattlichen Bau mit Backsteinziegeln zwischen dem Fachwerk. Hier konnte man früher oft die Kinder beim Kastaniensammeln sehen. Ein etwas gefährlicher Spaß. Im Januar 1966 wurde auf dieser kleinen Kuppe Erwin Müller aus Kraisdorf von einem Bus überfahren. Gut, dass an der östlichen Seite der Rad- und Fußweg angelegt wurde. Hier stehen auch einige schöne Obstbäume.
Gegenüber grenzt ein lädierter Holzzaun den Schlosspark von der Allee ab. Die Einfahrt mit den steinernen Säulen ist seit Jahrzehnten geschlossen, der Hahn auf dem Gitter längst abgefallen. Deutlich kann man erkennen, dass die Straße früher mindestens anderthalb Meter tiefer lag.
Auch in den Schlosshof von Eyrichshof muss man heute hinunterfahren. Die Mieter in den ehemaligen Gebäuden der Schlossbediensteten kennen die Ausfahrt genau und wissen, wann sie Gas geben können. Gegenüber, durch die Straße klar getrennt, wohnten die Dorfbewohner. Die meisten Häuser jenseits des Bahndamms wurden erst nach dem Krieg am Hang errichtet.
Arbeit gab es im Heinerle-Werk, wo auch Puffreis hergestellt wurde. Fremde fuhren bei dem Knall immer zusammen, die Einheimischen hatten sich daran gewöhnt. 40 bis 50 Beschäftigte hatte die Firma, bis sie 1995 nach Pößneck in Thüringen umzog.
Links ziehen sich nun die Wirtschaftsgebäude des Schlosses. Ihre Fenster waren vergittert.
1978 wurde der Sportplatz des ASC gebaut

1978 wurde zwischen Baunach und Allee nach dem Versuch mit einer Rinderzucht in vielen freiwilligen Arbeitsstunden der Sportplatz des ASC Eyrichshof angelegt. Das Gasthaus „Zur Specke“ liegt günstig daneben. Einst war es ein gutbürgerliches Lokal, zu dem die Eberner gerne hinausspazierten. Heute heißt es „Bella Sicilia“. Der Garten hat noch schöne Kastanien, leider auch etwas viel populäres Weiß-Blau.
Etwas zurückgesetzt ist das vornehme Haus aus dem Jahr 1808, das einst ebenfalls der reichen Familie Geuß gehörte. Die Reparaturhalle jenseits der Straße zur aufgelassenen Brücke ist ein typischer Zweckbau, der nach dem Krieg errichtet wurde. Hier ist die Allee schon wieder zu Ende. Genau genommen reicht sie also von Autowerkstatt zu Autowerkstatt oder wenn man von der Papiermühle ausgeht von Geußenhaus zu Geußenhaus.
1841 beschrieb Georg Ludwig Lehnes die Straße noch als „herrliche Kastanienallee“. Aber die schwand dahin. Die Bäume kränkelten zunehmend und obwohl Eyring von Rotenhan viele Versuche machte, sie nachzuziehen, wuchsen sie nicht mehr an. Auch der 1994 verstorbenen Baronin Freda von Rotenhan lag die Allee sehr am Herzen. Sie hatte sie bereits in den Nazijahren gerettet. Und wenn nach dem Krieg wieder ein Baum eingegangen war, ließ sie auf eigene Kosten Rotbuchen nachpflanzen. Nachdem auch andere Baumarten gesetzt wurden, veränderte sich der Charakter der Allee allmählich. Den letzten Kastanien gaben schließlich vor einigen Jahren die Miniermotten den Rest. Heute stehen nur noch zwei.
Am meisten aber hat der Allee die mangelnde Pflege geschadet. Die Stadt, die für die Ostseite zuständig ist, wie der Kreis mit der Westseite haben sich – vor allem aus Kostengründen – beim laufenden Sanieren zu sehr zurück gehalten. So sind unmerklich Zwiesel, das heißt Doppelgiebel, Gabelungen, entstanden und ungünstig wachsende starke Äste drückten die Bäume in gefährliche Schräglagen. Einzelne wurden innen vollständig hohl, was man vom Auto aus aber ebenso wenig erkennt wie die vielen abgestorbenen Äste, die in den Kronen hängen. Zudem beeinträchtigen die stärker werdenden Stürme der letzten Jahre die Standsicherheit der hoch gewachsenen Bäume.
Aber es waren nicht nur die Kosten von etwa 110 Euro pro Sanierungsstunde, die Allee wurde auch einfach als Kulturgut nicht mehr geschätzt. Zwar durften die Panzer hier etwa ab 1975 nur noch im Schritttempo zum Verladen fahren, aber das war wegen der Kirche, der Schlossgebäude und der Häuser. An die Bäume dachte man wenig. Sie dienten zunehmend als Plakatständer und der Blick durch die Lichtgasse nach Norden endet seit 1997 bei einem Fabrikgebäude.
Nach Sanierung sollen Linden gepflanzt werden
Axel Meffert, der Leiter der Straßenverwaltung des Landkreises, plant nun eine grundlegende, langfristige Sanierung der Eyrichshöfer Allee. Er betont, dass es zwischen Papiermühle und Schloss Eyrichshof eigentlich die Ostseite ist, die den Alleecharakter ausmacht. Im Westen sind die Bäume im Park hoch gewachsen und stehen unmittelbar am Zaun. Die grundlegende Sanierung – und sie ist bitter notwendig – kann nur in Abstimmung mit dem Besitzer von Schloss Eyrichshof geschehen. Meffert möchte nach und nach Linden setzen, die die heutigen Belastungen besser ertragen.
Zuvor sollen als erste Maßnahme an der Westseite zwischen der Geußenscheune und dem Schloss zehn Bäume gefällt werden, die einen roten Ring tragen. Ursprünglich war der Eingriff noch wesentlich drastischer geplant. Die Bäume mit einem Kreuz will man jetzt doch noch sanieren. Für Meffert ist das bei dem schmalen Etat, der ihm für 350 Kilometer Kreisstraßen zur Verfügung steht, nicht einfach. Eigentlich sollte bereits in dieser Woche mit dem Fällen begonnen werden, aber durch den starken Schneefall werden die Straßenarbeiter in diesen Tagen an anderer Stelle gebraucht.
Die roten Schrägkreuze an der Eyrichshöfer Schlossallee haben viel Schnee, das heißt Erinnerungen und Proteste aufgewirbelt. Man sieht, trotz der Geschwindigkeitskontrollen haben viele für diese alte Nobelstraße etwas übrig. Hoffentlich Kreis und Stadt auch!

NP 28.01.2004
EBERN 
Protest gegen Baumfällaktion
In der Bevölkerung macht sich Protest breit, weil der Landkreis in den beiden Alleen zwischen Ebern und der Specke zahlreiche Bäume fällen will. Fast 40 Bäume wurden mit roten Kreuzen von Mitarbeitern des Kreisbauhofs markiert und sollten gefällt werden. Als Grund wird eine mögliche Gefährdung des Straßenverkehrs genannt; Äste könnten herabfallen oder Bäume gar ganz umstürzen.
Inzwischen wurden manche Bäume nun auch noch mit roten Kreisen markiert. Nur Bäume, die mit Kreuz und Kreis markiert sind, sollen gefällt werden, teilte Bürgermeister Robert Herrmann inzwischen mit. Bei den anderen Bäumen werden nur Äste ausgeschnitten. Insgesamt sollen, so Herrmann, rund zwölf Bäume gefällt werden. Was die Bürger von diesem Vorhaben halten, ist auf einem Plakat zu lesen, das seit Dienstag in der Allee hängt: „Zu fällen einen schönen Baum, bedarf es einer halben Stunde kaum. Doch bis man ihn bewundert, vergeht oft ein Jahrhundert.“ FOTO: MICHAEL WILL

 

FT 26.01.2004 

Julius-Allee nicht im Bestand treffen 

Baumfällaktion entlang der Straße nach Eyrichshof erregt die Gemüter 

EBERN-EYRICHSHOF. Keine Frage: Es hätte allen Beteiligten im Vorfeld klar sein müssen, dass Axthiebe in der Eyrichshöfer (Julius-)Allee viele Eberner im Herzen treffen und ins Mark gehen würden. Dass die von der Landkreis-Tiefverwaltung initiierte Aktion nunmehr schon am morgigen Dienstag beginnt, hat einige offenbar „auf die Palme“ gebracht. Nicht anders lässt es sich erklären, dass noch am Samstag viele Anrufe besorgter Bürger beim Stadtoberhaupt eingingen.

von Ralf Kestel

Dabei konnte Bürgermeister Robert Herrmann die erregten Gemüter dahingehend beruhigen, dass die Dimension des Kahlschlages nicht wie befürchtet ausfällt, wie der FT bereits am Samstag aufgrund einer neuerlichen Begehung am Donnerstag meldete: Von 37 markierten Bäumen sollen lediglich zehn bis zwölf umgemacht werden, da sie den Verkehr gefährden.

Die restlichen Bäume werden lediglich im Astwerk zurückgeschnitten. Auch seien im Frühjahr Nachpflanzungen vorgesehen, so dass der Bürgermeister empfiehlt, erst in zehn Jahren eine Bilanz über die Aktion zu ziehen.

Entwarnung

Entwarnung auch vom Bund Naturschutz, der bei Stadtverwaltung und unterer Naturschutzbehörde interveniert hatte: Laut Harald Amon werden nunmehr nur die Bäume gefällt, die mit Kreuz und Kreis markiert sind. Froh ist der BN-Vorsitzende, dass die zuerst vorgesehene Fällaktion bei der neuerlichen Begehung am Donnerstag mit Experten von Landkreis und aus der städtischen Bauverwaltung „erheblich modifiziert“ wurde. Denn: „Die ursprünglich geplante Dimension war beim BN und beim Agenda-Arbeitskreis Natur und Landschaft auf keinerlei Verständnis gestoßen.“

Gerade Maßnahmen bei diesem prägenden Landschaftsteil (die einzige alleeartige Anlage im Bereich der Stadt Ebern) seien stets erhebliche Eingriffe und besonders Fällungen auf der westlichen Seite zwischen Papiermühle und Schloss seien zu überlegen, da durch den nahen Baumbestand eine Nachpflanzung sehr schwierig sei.

Das Bemühen der Stadt um eine Reduzierung der Fällaktion auf das absolut Notwendig-ste wird vom BN und dem Arbeitskreis begrüßt. Diese wünschen sich weiterhin ein stetes Eintreten der Behörde zur Erhaltung für den, das Stadtbild in vielen Bereichen prägenden, Eberner Baumbestand.

NP 24.01.2004
Die Tiefbauverwaltung des Landkreises Haßberge teilt mit, dass die Kreisstraße HAS 49 zwischen Ebern (Autohaus Sorg) und Eyrichshof ab Dienstag, 27. Januar, bis voraussichtlich Donnerstag, 29. Januar, wegen Baumfällarbeiten für den gesamten Verkehr gesperrt ist. Die Umleitung wird durch Verkehrsposten geregelt. Wie bereits berichtet, haben Mitarbeiter des Kreisbauhofes zahlreiche Bäume in der Allee (Bild) als verkehrsgefährdend eingestuft. Diese Bäume – auf beiden Seiten der Straße rund 35 Stück – sollen nun gefällt werden.

FOTO: MICHAEL WILL

NP 27.01.2004

Leserbrief
Schöne Kastanienallee wird der „heiligen Kuh“ Auto geopfert
Unser Ebern hat vieles zu bieten, was diese Stadt liebens- und le­benswert macht, wie wir ja auch gerne in Werbebroschüren he­rausstellen. Eine dieser Schoko­ladenstückchen war bisher für viele die Kastanienallee nach Ey­richshof, eine der wenigen Stra­ßenalleen, die es in unserer Ge­gend überhaupt noch gibt.
Für jeden Fußgänger und die meisten Autofahrer eine Freude, in ihr zu gehen oder zu fahren. Aber jetzt scheint ihr Ende wohl eingeläutet. Vor allem die auf der Schlossseite stehenden Bäu­me stellen nach dem Urteil eines Experten eine Gefahrenquelle dar und sollten deshalb radikal -offenbar ersatzlos - unserer ,,hei­ligen Kuh", dem Auto, geopfert werden; zu deutsch: sie sollten weg! Dass es nach Protesten aus der Bevölkerung jetzt nur noch zwölf Bäume sind, die wirklich gefährlich sind gefällt werden, ist mir ein schwacher Trost.
Und wenn wir schon dabei sind, werden wir auch auf der anderen Seite ein wenig Luft schaffen und vor allem die Bäu­me, die wir stehen lassen, einer kosmetischen Behandlung un­terziehen; sie werden hinterher zwar nicht mehr wir Bäume aus­schauen aber besser zu den be­reits behandelten Baumtorsos an der Stadtmauer passen.
Wenn es stimmt, was die Fremdenführerin in Weimar er­zählt hat, so hat Geheimrat Jo­hann Wolfgang von Goethe vor 200 Jahren neben vielen ande­ren exotischen Baumarten auch die Kastanie in Deutschland eingeführt, als er den herrlichen Park in Weimar angelegt hat. In der ,,Geschichte des Baunach­grundes" von G. L. Lehnes aus dem Jahre 1841 (!) steht zu le­sen, dass die Straße zwischen dem Schloss Eyrichshof und der Specke mit Kastanien bepflanzt ist. Zumindest dieses Stück wäre demnach also eine der ältesten Kastanienalleen in Deutsch­land, sie ging auf die Zeit Goe­thes zurück!
Baronin Freda von Rotenhan hat mir einmal erzählt, dass die Allee während der Zeit des ,,Drit­ten Reiches" schon einmal ge­fällt werden sollte, um an ihrer Stelle Obstbäume zu pflanzen. Sie selbst habe sich dieser staatli­chen Anweisung und ihrem Ehemann, der den Anordnun­gen nachkommen wollte, ener­gisch widersetzt und die Bäume gerettet, ,,meine Allee", wie sie sie nannte. Aber jetzt erwischt es sie doch.
Ich finde das sehr schade und es macht mich traurig, dass bei uns halt immer die Natur und die Landschaft (siehe auch Maintalautobahn) den Kürzeren zieht.
Ach ja: Der Fachmann sollte sich vielleicht nach der Insel Rü­gen versetzen lassen. Dort gibt es kilometerlange, wunderschö­ne intakte Straßenalleen, da gä­be es Arbeit für ihn.
INGO HAFENECKER
ADOLF-KOLPING-STRASSE 14
96106 EBERN

NP 16.01.2004

Kreisbauhof stuft zahlreiche Bäume an der Kreisstraße als verkehrsgefährdend ein 
Droht Kahlschlag in Allee bei Eyrichshof?
EBERN
- In der Allee zwischen Ebern und Eyrichshof sollen noch im Februar umfangreiche Baumfällarbeiten durchgeführt werden. Vertreter des Kreisbauhofes haben zahlreiche Bäume markiert, die nach ihrer Einschätzung eine Gefahr für den vorbei führenden Verkehr darstellen und gefällt werden müssen.
Bei der Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses der Stadt Ebern nahmen die Stadträte am Mittwochnachmittag Ortseinsicht in der Allee und waren angesichts der offenbar recht großzügig bemessenen Baumfällarbeiten mehr als verwundert. Werner Grell, Leiter des Bauhofes Ebern, berichtete dem Ausschuss von einer Ortseinsicht zusammen mit einem Vertreter des Kreisbauhofes, der davon sprach, dass viele Bäume auf beiden Seiten der Kreisstraße eine Verkehrsgefährdung darstellen. Und diese Gefahr müsse beseitigt werden. Und so hat der Mitarbeiter des Landkreises seine Sprühdose ausgepackt und die „gefährlichen“ Bäume mit einem roten Kreuz markiert.
Der Kreisbauhof in Haßfurt versicherte der Neuen Presse am Donnerstag auf Anfrage, dass die markierten Bäume tatsächlich eine Gefahr darstellen. Manche stünden sehr schräg, andere hätten Doppeläste und drohten auseinander zu brechen. Bei starkem Wind und unter der Last möglicherweise darauf liegenden Schnees könnten sie umstürzen oder zumindest Teile abbrechen, hieß es.
Für die Bauausschussmitglieder stellte sich an Ort und Stelle die Frage, was man als Verkehrsgefährdung einstufe. Sicher gebe es da den ein oder anderen Baum, der – beispielsweise aufgrund seiner enormen Schieflage – gefällt werden sollte, doch der Großteil der Bäume, befand Stadtrat Toni Welsch, stehe dort schon seit Jahrzehnten und sei vermutlich auch noch Jahrzehnte lang standsicher. Die Alleebäume seien doch relativ gesund, glaubte der Eyrichshofer Stadtrat, es wäre schade, wenn sie gefällt würden.
Auch Stadtrat Otmar Schmitt hatte für die geplanten Baumfällarbeiten kein Verständnis. Man solle sich doch lieber darauf beschränken, die dürren Äste auszuschneiden, die Bäume aber stehen lassen. Doch so einfach scheint die Angelegenheit nicht zu sein. Es gibt zwischen der Stadt und dem Landkreis die Vereinbarung, dass der Landkreis für die Alleereihe von Ebern in Richtung Eyrichshof auf der linken Seite zuständig ist und die Stadt für die rechte Seite. Ein Mitarbeiter des Kreisbauhofes – ein „Baumspezialist“, wie sich Bürgermeister Robert Herrmann ausdrückte – hat die in seinen Augen verkehrsgefährdenden Bäume bereits markiert. Noch im Februar soll die Kreisstraße zwischen Ebern und Eyrichshof gesperrt werden und dort die markierten Bäume gefällt werden. Der Stadt wurde deshalb empfohlen, auch die Bäume auf der rechten Seite gleich mit zu fällen, damit das in einem Aufwasch vonstatten gehen kann.
Wie viele Bäume genau der Motorsäge zum Opfer fallen werden, ist bislang noch nicht klar, da der Kreisbauhofmitarbeiter auf der rechten Seite noch nicht alle Bäume markiert hat, die in seinen Augen eine Gefahr darstellen. Bislang sind knapp 20 Bäume „angekreuzt“. Doch Schätzungen zufolge dürfte die Allee um über 30 Bäume beraubt werden. „Das schadet doch der Allee“, mahnte Toni Welsch.
Doch Bürgermeister Robert Herrmann sah keine andere Möglichkeit, als den Maßnahmen zuzustimmen und zusammen mit dem Landkreis gleichzeitig auch die auf der rechten Seite befindlichen Bäume zu entfernen. „Das Problem ist“, formulierte der Bürgermeister, „dass wir keine andere Möglichkeit haben, denn wenn der Spezialist des Landkreises sagt, die Bäume sind verkehrsgefährdend, dann werden wir nicht das Gegenteil behaupten können.“ Vor allem müsse man an die Folgen denken, sollte tatsächlich ein als verkehrsgefährdend eingestufter Baum umfallen und gar einen Menschen verletzten oder töten, dann sei die Stadt in der Verantwortung. „Wir können diese Verantwortung nicht ablehnen“, mahnte Herrmann. Stadtrat Manfred Fausten war der gleichen Meinung: „Wenn etwas passiert, sind wir die Dummen.“
Und so will die Stadt, wenn auch Zähne knirschend, die Baumfällarbeiten gemeinsam mit dem Landkreis durchführen und die vermeintlich schadhaften Bäume opfern. Im Februar soll mit den Motorsägen angerückt werden. mic

NP 19.07.2003 Die Bäume besser schützen
Horst Schunk schreibt an den Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags
Coburg
– Der ehemalige Coburger SPD-Stadtrat und leidenschaftliche Baumschützer Horst Schunk hat sich jetzt an den Petitionsausschuss im bayerischen Landtag gewandt mit der Bitte, eine Aktion für den besseren Schutz von Bäumen zu starten.
In dem Schreiben beklagt er, dass die bayerischen Straßenbauämter aber auch die Landratsämter bei der Baumpflege zu drastisch vorgingen.
Bäume würden nicht nur ausgelichtet, sondern immer häufiger radikal entfernt, oft auch unfachmännisch entstellt. Weiter moniert Schunk, dass Maschinen, die an Grünstreifen vorbei fahren, alles was sich ihnen entgegenstelle einfach abrissen. Dies sehe nicht nur entsetzlich aus, es sei auch eine Zerstörung der arttypischen Pflanzenformen und eine Verschwendung von öffentlichen Geldern. Verkehrssicherheit und Straßengrün müssten keine Gegensätze darstellen. Rückschnitte müssten nach dem Motto ausgeführt werden: „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“.
Außerdem wendet sich Schunk gegen das „systematische Ausrotten“ gewisser Baumarten, wie etwa der Pappel, und setzt sich dafür ein, die ausführenden Ämter und Organe anzuweisen, beim Umgang mit Bäumen mehr Sensibilität walten zu lassen und sie auf ein baumfreundliches Arbeiten hinzuweisen.
Wer von Klimaschutz rede, müsse auch von Baumschutz reden. Dies bleibe ein wichtiges Zukunftsthema für alle Generationen.

FT 21.02.2002 Baumschutzverordnung
HASSFURT. Mit sieben gegen drei Stimmen hat der Bauausschuss des Haßfurter Stadtrates am Dienstagabend die Einleitung eines Verfahrens zu einer Baumschutzverordnung auf den Weg gebracht.
Damit sollen ältere Bäume in der Stadt und den Stadtteilen ab einem Stammumfang von 80 Zentimetern vor dem willkürlichen Fällen geschützt werden. Das soll nicht nur für Bäume  auf  öffentlichem Grund gelten, sondern auch für solche in privaten Gärten. Gerade ältere Bäume seien ökologisch wertvoll und gehörten zum charakteristischen Stadtbild, wurde als Begründung angeführt. Vor dem Abholzen eines Baumes muss nach dem Entwurf der Verordnung erst der Stadtrat die Genehmigung erteilen. Bis zum Inkrafttreten der Baumschutzverordnung, die vom Stadtrat noch verabschiedet werden muss, dürfte noch etwa ein halbes Jahr verstreichen.
Der Antrag zur Erstellung einer Baumschutzverordnung, wie sie bereits in anderen Städten gültig ist, kam von der Grünen-Stadträtin Helene Rümer. Fast zeitgleich hatte auch die Agenda-Gruppe ,,Stadt, Land, Fluss" eine solche Verordnung ins Auge gefasst. Wie Dietmar Will von der Stadtverwaltung erklärte, habe man im Entwurf zur Verordnung den Stammumfang von 80 Zentimetern (in einem Meter Höhe) großzügig angesetzt. Das entspricht einem Durchmesser von 25 bis 26 Zentimetern.
Erhebliche Bedenken gegen eine solche Verordnung meldete Konrad Schobert an. Es gebe in Haßfürt schon so viel Grün, dass kaum mehr möglich sei. Insbesondere greife man mit einer solchen Verordnung in das Privatrecht ein.
Ähnlich äußerte sich Heiko Wöber (die ,,Verbote bringen nichts"), der viel eher eine Förderung des Durchgrünens auf Privatbesitz durch die Stadt anregte. Seine Befürchtung, dass jetzt vor Inkrafttreten einer Verordnung schutzwürdige Bäume noch schnell abgeholzt werden könnten, teilte Will nicht. Erfahrungen in anderen Städten hätten dies nicht bestätigt.
Richard Haßfurther fand, es werde eigentlich mehr getan als notwendig sei. ,,Wenn einer 40 Jahre lang seinen Baum gepflegt hat und jetzt fragen muss, ob er ihn auch wieder wegmachen darf, empfinde ich das als Zumutung."
Bauamtsleiter Gerd Brückner erinnerte daran, dass Eigentum auch verpflichte. Für Werner Holzinger ist der Sinn einer Baumschutzverordnung:
“Heimat und Stadtbild zu erhalten" - und nichts anderes, als wenn der Abbruchantrag für ein Haus gestellt werde.

Bürgermeister Rudi Eck erklärte, es würden auch in Zukunft alte Bäume gefällt werden oder sogar gefällt werden müssen. Aber es sei schließlich nichts Schlechtes, wenn vorher eine Begutachtung und Beratung stattfinden. Die Verordnung sei nur ein "Hindernis, dass alte Bäume ohne weiteres wegkommen," sagte er
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